Stellungnahme von KANS zum WZ-Artikel vom 29.09.2020 „Großinvestor….“

Nachtrag 13. Oktober 2020:

Das Jeversche Wochenblatt hat unsere Stellungnahme auf Seite 4 veröffentlicht – herzlichen Dank dafür! Hier der Link ->

Nachtrag 08. Oktober 2020:

Herr Abeldt von der WZ hat die Veröffentlichung mit der Begründung abgelehnt, dass unsere Stellungnahme zu viele Mutmaßungen enthalten würde. Möglicherweise könne die Hafenwirtschaftsvereinigung zur Klärung unserer Fragen beitragen.

    Nach einem sehr verwirrenden Bericht in der Wihlemshaver Zeitung
                                                  am 29.09.2020 hat KANS gestern die folgende Stellungnahme an
                                                  den Chefredakteur, Herrn Gerd Abeldt, geschickt.

01.10.2020

Stellungnahme von KANS

Die Bürgerinitiative “Klima-Allianz-NordSeeküste” (KANS) muss mit Erschrecken feststellen, dass der Zeitungsbericht von der Wilhelmshavener Hafenwirtschaft (Energiewende: Chancen für Wilhelmshaven v. 29.09.2020) so viele Begriffe miteinander vermischt hat, dass einige gravierende Fehler für die meisten Menschen nicht zu erkennen sind. Zum besseren Verständnis deshalb folgende Stellungnahme von „KANS“:

Ein belgischer Großkonzern, der viel Geld in Wilhelmshaven investieren möchte, hat offenbar vor, Methan (CH4) in Wasserstoff (H2) umzuwandeln. Das hierbei verwendete Verfahren wird im Bericht nicht genannt. Üblicherweise nutzt man bisher die „Dampfreformierung“. Das bei diesem Prozess freiwerdende Kohlendioxid (CO2) soll aufgefangen und dann nach Südeuropa verschifft werden. Die Wilhelmshavener Hafenwirtschaft stellt den Wasserstoff aus diesem Prozess als „grünen“ Wasserstoff dar. Das ist falsch. Grüner Wasserstoff wird ausschließlich durch Elektrolyse von Wasser hergestellt, wobei für die Elektrolyse ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien (z.B. Wind, Sonne) zum Einsatz kommt. Unabhängig von der gewählten Elektrolysetechnologie erfolgt die Produktion von wirklich grünem Wasserstoff vollkommen CO2-frei, da der eingesetzte Strom zu 100% aus erneuerbaren Quellen stammt und damit CO2-frei ist. Da diese Voraussetzungen in Wilhelmshaven nicht vorliegen, wäre der hier vom Großinvestor hergestellte Wasserstoff je nach Ursprung des verwendeten Methans bestenfalls „türkis“  – bei Verwendung von LNG sogar „grau“.

Woher das in Wilhelmshaven für die Spaltung benötigte Methan kommen soll, lässt der Bericht offen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um – über das geplante LNG-Terminal – importiertes Fracking-Gas (LNG) aus den USA und Kanada handeln wird, ist daher – spätestens seit dem Angebot von Olaf Scholz an Trump – extrem groß. Denn das aus Südeuropa importierte synthetische Methan, welches in Südeuropa aus dort hergestelltem grünen Wasserstoff (aus Solarenergie) und dem CO2 aus WHV hergestellt würde, soll ja laut Bericht als Kraftstoff oder für die Stromproduktion in einem Gaskraftwerk verwendet werden und ist damit weg (verbrannt). Hier von einem „Kreislauf“ zu sprechen, ist vorsätzliche Falschinformation.

Es mutet beinahe an wie ein Schildbürgerstreich, den reinen grünen Wasserstoff aus Solarenergie in Südeuropa mit CO2 aus Wilhelmshaven reagieren zu lassen und das so entstandene synthetische Methan wieder hierher zu transportieren um es dann zu verbrennen, anstatt hier direkt vor Ort eigenen grünen Wasserstoff aus Windenergie herzustellen. Jede Umwandlung von Energieträgern in einen anderen Energieträger geht mit hohen Verlusten einher. Möchte man grünen Strom erst in Wasserstoff umwandeln und dann zum Transport per Schiff methanisieren, so beträgt der Gesamtwirkungsgrad nur etwa 40 – 60 % – d. h. von der ursprünglichen elektrischen Energie steht nach so einem Prozess am Ende nur noch knapp die Hälfte der anfänglichen Energie zur Verfügung. Allein für die Abtrennung von Wasserstoff aus Methan sind hohe Temperaturen bei hohem Druck erforderlich – woher diese Energie kommen soll, wird im Bericht nicht näher erläutert. Fossiles Methan ist 36 bis 87 mal klimaschädlicher als CO2 (lt. ICCT-Studie – je nach Länge des Betrachtungszeitraums) und je mehr es hin –und her transportiert, transformiert, verflüssigt und regasifiziert wird, desto größer ist die Gefahr, dass dabei Methan in die Atmosphäre entweicht (Methanschlupf, Methanleckagen).“Woher nehmen diese Männer auf dem Foto eigentlich die Dreistigkeit, das als „klimaneutral“ anzupreisen?“ fragt Sabine Hillmann von KANS.

Zudem wird in dem Bericht nicht deutlich, wie die Schiffe, die das synthetische Methan (CH4) und das Kohlendioxid (CO2) hin und her transportieren sollen, angetrieben werden. Auch an dieser Stelle muss die im Bericht hochbeschworene „Klimaneutralität“ mehr als in Frage gestellt werden. Überhaupt bleibt der Bericht den Beweis dafür schuldig, dass dieses angeblich “klimaneutrale Projekt“ den Anforderungen der Energiewende und der Nationalen Wasserstoffstrategie auch nur ansatzweise entspricht.

Zu guter Letzt bleibt noch die Frage, warum man ein Seekabel von Großbritannien nach Deutschland legen will, um unseren günstigen Windstrom dorthin zu verkaufen, anstatt den Windstrom vor Ort für die Herstellung von grünem Wasserstoff zu nutzen. Es wäre doch viel sinnvoller und umweltfreundlicher, hier vor Ort Elektrolyseanlagen zu bauen und den grünen Wasserstoff aus den hiesigen erneuerbaren Energien herzustellen! Dabei würden wir mit der Wasserstoffinfrastruktur, die dabei entsteht, sogar neue Arbeitsplätze schaffen. Die Salzgitter AG, die ebenfalls vor Ort investieren möchte, geht mit gutem Beispiel voran. Sie hat bereits deutlich gemacht, dass sie grünen Wasserstoff einsetzen möchte, der aus erneuerbaren Energien produziert wird. Sie möchte keinen grauen/blauen/türkisen Wasserstoff einsetzen und hat auch klar gesagt, dass sie Erdgas, das durch Fracking gewonnen wird, ablehnt.

Statt also die Chance für eine echte Energiewende in unserer Region beim Schopfe zu packen und in die eigene Herstellung von wirklich grünem Wasserstoff einzusteigen, lassen sich die Herren der Hafenwirtschaft zu Handlangern der großen Gaskonzerne machen und verunsichern die Leser mit Geschichten über angeblich grünes Methan, nur um damit den Bau des LNG-Terminals zum Import von Fracking-Gas zu rechtfertigen. Bis tatsächlich synthetisches Methan in Südeuropa in großem Stil produziert und hierher verschifft werden kann, vergehen noch mind. 10 Jahre. Und bis dahin nehmen wir dann halt das Fracking-Gas von Herrn Trump. „So einfach geht „klimaneutrale Brückentechnologie“ sagt Rainer Büscher von KANS.

3 Gedanken zu „Stellungnahme von KANS zum WZ-Artikel vom 29.09.2020 „Großinvestor….““

  1. Aufschlussreiche Stellungnahme mit inhaltlichem Tiefgang – chapeau (!!!) Irgendwie beruhigend, dass den LNG-Protagonisten nichts gescheiteres einfällt, als das von ihnen unterstützte LNG-Import-Terminal mit so einer Lachnummer zu rechtfertigen,

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  2. Wir wollen grünen Wasserstoff aus Windenergie prodozieren . Da ist kein Methan drin und ist erneuerbar. Dann mit diesem Wasserstoff durch die Salzgitter AG Stahl herstellen .Das bringt Arbeitsplätze . Sind da nicht unsere Kommunalpolitiker gefragt ! Uwe Jurow ä

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