Für Wilhelmshaven: JA zu Wasserstoff – NEIN zu Methan

Pressebericht der Bürgerinitiative Klima-Allianz-NordSeeküste (KANS) 28.03.2020 von R.Büscher, S.Hillmann, W. Mosler

Wilhelmshaven braucht kein LNG-Terminal

Methan ist KEIN „grünes Gas“ – als Treibhausgas ist Methan (CH4) in 20 Jahren rund 87-mal klimaschädlicher als CO2. Effiziente Methan-Minderungsmaßnahmen werden daher vom Umweltbundesamt als dringend erforderlich erachtet.

Es gibt unterschiedliche Arten, Methan zu gewinnen. Aber immer ist das Endprodukt Methan. Sowohl das von der Gasindustrie und Herrn Lies fälschlicherweise als klimafreundliche Brückentechnologie beworbene Flüssigerdgas (= LNG), das zu ca. 98% aus Methan besteht,  als auch das – fälschlicherweise oft als „grün“ deklarierte – synthetisch aus Wasserstoff hergestellte Methan (Power-to-Gas) und auch das in der Regel als „Biogas“ bezeichnete Methan, das aus Biomasse gewonnen wird. Und immer ist dieses Methan extrem klimaschädlich. Nicht ohne Grund wird Methan auch als der „böse Zwillingsbruder von CO2“ bezeichnet.

Unser Umweltminister hingegen hält den Import von Methan aus Nordafrika für eine gute Idee. Wasserstoff und Methan werden munter in einen Topf geworfen und das Eine zur Rechtfertigung des Anderen benutzt. Sollte ein Umweltminister nicht klar zwischen „grünem“ Wasserstoff und klimaschädlichem Methan unterscheiden können? Sollte ein Umweltminister nicht um die Gefährlichkeit von Methan wissen und sich für dessen Reduzierung einsetzen, anstatt für die Ansiedlung eines weiteren Störfallbetriebes in Wilhelmshaven ungeniert Werbung zu machen?

Die Bürgerinitiative KANS hat es sich zum Ziel gesetzt, die Bürger zu informieren.

Deshalb hier folgende Richtigstellungen:

Herr Lies nennt „grünen“ Wasserstoff und Methan ohne Differenzierung in einem Atemzug. Bei genauerer Betrachtung geht es aber dann doch nur um Methan und damit wieder nur um die Rechtfertigung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven.

 

Aufgrund der besonderen Eigenschaften von Wasserstoff ist die Infrastruktur für das geplante LNG-Terminal (Terminal und Pipeline) für den Transport von „grünem“ Wasserstoff (aus erneuerbaren Energien) nämlich vollkommen untauglich. Wasserstoffatome sind extrem klein, sie können in viele Materialien und selbst in Metalle eindringen. Zudem muss Wasserstoff mit extrem hohem Druck transportiert werden, um eine effiziente Energiedichte zu erreichen. Damit ist der Transport von reinem Wasserstoff derzeit weder im bestehenden Gasnetz noch durch in Planung befindliche LNG-Pipelines technisch möglich. Mit den Rohren „Mannesmann H2ready“ gibt es allerdings erste Ansätze zur Umrüstung.

Methan hingegen kann bestens im bestehenden Gasnetz transportiert werden. Aber Methan ist nicht „grün“ – egal wie man es auch herstellt. Die Herstellung von Methan aus erneuerbaren Energien macht Methan nicht weniger klimaschädlich. Aus erneuerbaren Energien Methan herzustellen, ist eine massive Verschwendung kostbarer Ressourcen. Es ist, als würde man frisches Weidegras abmähen, es verbrennen und die Asche an das Vieh verfüttern, weil sie sich besser transportieren und lagern lässt.

Wenn man tatsächlich die nordafrikanische Wind- und Sonnenenergie, wie beim umstrittenen Projekt Desertec 2.0 vorgesehen, für den europäischen Markt nutzen wollte, wäre eine Stromleitung durch die Straße von Gibraltar sicherlich die einfachste Lösung. Dort wären nur maximal 44 Km zu überbrücken und der erzeugte Strom könnte direkt ins Stromnetz eingespeist werden. Aber brauchen wir den überhaupt?

Ein Ausbau des Stromnetzes in Deutschland könnte ausreichend Kapazitäten schaffen, um den an der Jade produzierten und bisher nicht genutzten Windstrom deutschlandweit zu verteilen. Beim Ausstieg aus der Atomenergie werden sogar zusätzliche Leitungskapazitäten frei. Aus klimatechnischen und wirtschaftlichen Erwägungen wäre es jedoch sinnvoller, die Energie zunächst den einheimischen Fabriken und Raffinerien in Wilhelmshaven vor Ort zur Verfügung zu stellen, bevor man über eine landesweite Verteilung nachdenkt. Wilhelmshaven sollte Projekte zur Umwandlung der Windenergie in 100% grünen Wasserstoff unterstützen und die Ansiedlung entsprechender Technologien bewerben, anstatt in ein längst überholtes LNG-Projekt zu investieren.

Wundert sich denn niemand in Wilhelmshaven, wenn einerseits die Rede ist von überschüssiger Energie, die in den Süden Deutschlands transportiert werden soll und andererseits von Importen aus Marokko? Erstaunt es niemanden, dass unser „Umwirtschaftsminister“ „sich in Abstimmung mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) über die Idee von deutsch-marokkanischen Zwillingshäfen befindet“, anstatt sich für den Erhalt von schützenswerten Biotopen vor Ort einzusetzen?

Es stimmt, Deutschland ist nicht nur der größte Gasverbraucher, sondern auch eine Hauptdrehscheibe des Gashandels in Europa. Aktuelle Studien /Analysen belegen, dass Deutschland keinen Mangel an Erdgas für die Übergangsperiode bis spätestens 2050 zu erwarten hat. Im Gegenteil: Deutschland ist mit Gas überversorgt. In „Die Roadmap Gas für die Energiewende – Nachhaltiger Klimabeitrag des Gassektors“ des Umweltbundesamtes wird deutlich, dass in  Deutschland bis 2050 mit einem „erheblichen Rückgang der Gasverbräuche“ zu rechnen ist. Die permanenten Hinweise von Herrn Lies und uniper auf die Sicherstellung der Energieversorgung dienen lediglich dazu, die Akzeptanz für ebenso überflüssige wie klimaschädliche Projekte wie das geplante LNG-Terminal wider besseres Wissen bei der Bevölkerung durchzusetzen. Die deutschen Gasimportkapazitäten sowie die Gasspeicherkapazitäten übersteigen Deutschlands Verbrauch um mehr als das 3 -fache. Zudem verfügt Deutschland laut Bundeswirtschaftsministerium über die größten Erdgasspeicherkapazitäten Europas und die viertgrößten weltweit. Mit dem Anschluss von Nord Stream 2 würde die Importkapazität sogar um weitere – nicht benötigte – 55 Mrd. m³ pro Jahr erweitert.

Bestehende europäische LNG-Terminals sind, laut einer Marktstudie von Team Consult, einer Unternehmensberatung der Energiewirtschaft, im Durchschnitt nur zu 27 % ausgelastet, in den Niederlanden sind es sogar nur 12 %. Einen unerwartet eintretenden höheren Bedarf an Erdgas könnten wir also über unsere europäischen Nachbarn jederzeit problemlos decken, anstatt für diesen  – unwahrscheinlichen – Fall ein weiteres, nicht ausgelastetes, LNG-Terminal zu bauen. Da offensichtlich alle anderen europäischen Staaten ebenfalls ausreichend mit Erdgas / LNG versorgt sind, ist es absurd, zu behaupten, wir könnten später einmal Energie in Form von LNG nach Europa verkaufen. Es bleibt zudem abzuwarten, wie sich die Coronakrise langfristig auf den LNG-Markt auswirkt.

Welche persönliche Interessen könnten Herrn Lies antreiben, ein derartig klimaschädliches Projekt wie das geplante LNG-Terminal um jeden Preis und gegen alle klimawissenschaft-lichen Erkenntnisse durchzusetzen? Was mag ihn bewegen, den Bürgern Wilhelmshavens zu suggerieren, dass Naturschutz – für den er als Umweltminister doch eintreten müsste – den Interessen einer fossilen Infrastruktur unterzuordnen ist?

Warum lässt sich die Wilhelmshavener Hafenwirtschafts Vereinigung für diese Interessen einspannen und betet ungeprüft alles nach, was von uniper und Herrn Lies als Behauptungen in die Welt gesetzt wird? Gibt es persönliche Verflechtungen?

 In Anbetracht der Faktenlage muss man den vehementen Einsatz unseres Umweltministers für das geplante LNG-Terminal und den damit verbundenen Import von Fracking-Gas durchaus in Frage stellen.

Ein Gedanke zu „Für Wilhelmshaven: JA zu Wasserstoff – NEIN zu Methan“

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